Wird das Urheberrecht abgeschafft? Sorgen und Irrtümer der Künstler

Aufruf zur Bewahrung des Urheberrechts

Über 1500 Autoren, Schauspieler und Künstler haben einen offenen Brief unterschrieben, um sich gegen öffentliche Angriffe auf das Urheberrecht zu wehren. Durch die Diskussionen über ACTA, SOPA, PIPA und CISPA, die alle das Urheberrecht besser regeln wollen, haben sich in der Öffentlichkeit vor allem Gegner der Vorlagen Gehör verschafft. Einzelne unter ihnen gehen sicher auch so weit, das Urheberrecht ganz abschaffen zu wollen. Was aber hat es damit auf sich? Steht so etwas ernsthaft zur Debatte? Die Piratenparteien jedenfalls scheinen sich genau dafür einzusetzen und erhalten grossen öffentlichen Zuspruch.

Laut Christian Stöcker vom ‚Spiegel‘ und Christian Schlüter von der ‚Berliner Zeitung‘ haben folgende bekannte Autoren oben genannten Aufruf, der vor der Abschaffung des Urheberrechts warnt, unterschrieben: Julia Franck, Mario Adorf, Uwe Tellkamp, Daniel Kehlmann, Charlotte Roche, Felicitas Hoppe, Roger Willemsem und Martin Walser. (Alle Unterzeichnenden findet man hier.) Christian Stöcker hat sich mit dem Aufruf und der ganzen Debatte auseinandergesetzt und folgende Irrtümer (beziehungsweise Missverständnisse), die hier kurz zusammengefasst werden sollen, festgestellt:

1) Die Abschaffung des Urheberrechts steht NICHT kurz bevor

Es gibt zwar in Piratenparteien wenige Extremisten, die das Urheberrecht abschaffen wollen, es steht aber in keinem Parteiprogramm einer Piratenpartei. Die Mehrheit der Piraten möchte Internetuser vor Strafverfolgungen schützen:

Christian Stöcker: „Die Piratenpartei wurde gegründet, um Datentauscher vor dem Zugriff von Strafverfolgern und privatwirtschaftlich organisierten Piratenjägern zu schützen. „

Zudem haben die Piratenparteien nach der Meinung von Christian Stöcker trotz Aufschwung und Popularität nicht die Macht, eine so radikale Änderung durchzusetzen.

2) Die Piraten wissen NICHT, was sie tun

Christian Stöcker: „Der Kampf für ein Recht auf straffreies Filesharing gehört zum Gründungsmythos der Piratenpartei. Gleichzeitig ist vielen Piraten längst klar, dass ein gewisser Widerspruch besteht zwischen sanktionslosem Tausch digital vorliegender Werke im Netz und der Aufrechterhaltung des klassischen Urheberrechts. Der Begriff „Privatkopie“ wird spätestens dann sinnlos, wenn man einen Song, einen Film oder ein E-Buch global verfügbar macht, indem man das Werk in eine Tauschbörse stellt. Diesen Grundwiderspruch haben die Piraten bislang nicht auflösen können, was man in mittlerweile zahlreichen Interviews nachlesen kann, in denen die Vertreter der Partei immer ziemlich unscharf und ausweichend werden, wenn es um diese Frage geht.“

3) Das Geschäftsmodell von Charlotte Roche, Mario Adorf und Sven Regener ist durch Filesharing NICHT existentiell bedroht

Als Beispiel dafür nennt Stöcker die Musikbranche, die noch immer existiert. Er geht davon aus, dass es sich mit der Buchbranche ähnlich verhalten wird. Es wird immer mehr E-books geben, eine Verschiebung findet statt, aber die Kunden sind bereit, dafür zu bezahlen. Das wird sich nicht plötzlich ändern. Zudem profitieren Autoren ja davon, wenn möglichst viele Leute ihre Bücher lesen, auch wenn sie sie gratis kopiert haben. Sie werden Anderen davon erzählen und diese werden das Buch dann vielleicht wieder kaufen. Die Sache ist nicht, dass die Existenz der Buchbranche auf dem Spiel steht, sondern, dass man vom klassischen Buchhandel wegkommt und die Bücher auf einem anderen Weg verkaufen kann/muss. Damit sollten sich die Autoren anfreunden, anders wird es in Zukunft nicht gehen.

4) In dem Konflikt stehen sich NICHT geizige Filesharer und missachtete Urheber gegenüber

Christian Stöcker: „Der Ausgangspunkt der Debatte ist nicht die Forderung nach einer Abschaffung des Urheberrechts. Der Ausgangspunkt ist vielmehr der vehement und auf zahlreichen Wegen immer wieder vorgetragene Wunsch der Branchenverbände, Bürgerrechte einzuschränken, um die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen zu erleichtern. Viele, die etwa gegen den Copyright-Pakt ACTA auf die Straße gingen, taten das nicht, weil sie unbegrenzten Zugang zu kostenlosen Musik- und Filmdateien wollen, sondern weil sie verschärfte Internetüberwachung für gefährlich halten.“
5) Es ist derzeit NICHT unmöglich, gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vorzugehen.

In Deutschland gibt es Anwaltskanzleien, die sich auf das Thema spezialisiert haben und bei Urheberrechtsverletzungen im Internet Abmahnungen erteilen. Es gibt Mittel und Wege, gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen, wenn auch keine radikale.

Trotz dieser aufgeführten Punkte muss der Aufruf der Autoren meiner Meinung nach ernst genommen werden. Dies, weil der Aufruf aufzeigt, dass sich viele Autoren den Diskussionen um das Urheberrecht hilflos ausgesetzt fühlen und Angst um das Wenige haben, das ihnen bleibt. Autoren verdienen wenig am Verkauf ihrer Bücher, aber dennoch stecken sie ihr ganzes Herzblut ins Schreiben und möchten die Wertschätzung in Form des Urheberrechts dafür spüren. Sagen zu können man hat etwas geschaffen, das bleibt, eine geistige Schöpfung kreiert, die kein anderer in dieser Weise hätte schaffen können ist schön und diese Schöpfungen sollen deshalb auch nicht übers Internet frei beziehbar sein. Der Gedanke hinter dem Aufruf ist verständlich, aber wie oben erwähnt gehen die Diskussionen eher in die Richtung, dass das Urheberrecht überarbeitet werden soll und dem digitalen Zeitalter angepasst, nicht aber abgeschafft. Es handelt sich um eine Minderheit, die für die Abschaffung des Urheberrechts plädiert.

Sammelklage gegen Google books

Mit einer weiteren Aktion versuchen sich Autoren und Fotografen für ihre Rechte an ihren geistigen Schöpfungen einzusetzen: Anfangs Juni wurde laut Carolin Neumann eine Sammelklage gegen Google books eingereicht um gegen die Massendigitalisierung vorzugehen. Die Authors Guild versucht schon seit 2005, erfolgreich gegen Google vorzugehen:

Carolin Neumann: „Der Konzern (Google) selbst gibt sich nach wie vor selbstbewusst, bei seiner anhaltenden Digitalisierung amerikanischem Urheberrecht zu folgen. Nach dem jetzigen Urteil ist der Weg frei für einen Prozess, der dieser Frage neuerlich nachgehen soll. Google hatte sich zuletzt gegen eine Sammelklage gewehrt und argumentiert, die Authors‘ Guild könne nicht für alle ihre Mitglieder sprechen, wenn doch mehr als die Hälfte bekanntermaßen für eine Verbreitung ihrer Werke per Google Books sei. Doch das Gericht schmetterte auch diese Einwände ab: Die „unglücklichen Autoren“ hätten trotzdem das Recht, sich zusammenzuschließen. Es wäre überdies unfair, von Urhebern zu verlangen, allein gegen Google vorzugehen.“

Wozu die Sammelklage schlussendlich wirklich führen kann bleibt offen.

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Künstler zwischen Contentmafia und Piraten

Sascha Lobo schreibt in seiner Kolumne für den Spiegel  über ein grundlegendes Problem, welches den Künstlern anhaftet: Nur erfolgreich sind diese gesellschaftlich geachtet – für die brotlosen hat man bestenfalls Verachtung übrig. Viele von uns werden sich an den Einwand der Eltern erinnern, wenn es bei der Berufswahl darum ging, nur ansatzweise etwas in Richtung Kunst zu machen: „lern öppis gschiids, bueb!“ hiess es dann. Und so machten wir uns drauf, Informationswissenschaftler zu werden. Zurück zum Thema: Gesellschaftlich gesehen ist das doch ein wenig Paradox. Denn wurde uns nicht auch eingebläut, wie wichtig und wertvoll Kultur doch eigentlich ist? Die vermeindliche Rettung kam den Künstlern dann  in Form der Unterhaltungsindustrie. Die Kulturschaffenden wurden unter die Fittiche von Grossunternehmen genommen und mussten sich fortan nicht mehr mit der Vermaktung und dem Vertrieb ihrer Kunst konzentrieren. Endlich konnten sie sich auf das Wesentliche besinnen und dabei wurde der eine oder andere gar reich! Die Kapitalisierung der Kultur führte dazu, dass manche, zugegebenermassen fanatischen Fans, alles für ihre Idole tun würden. Gut, das gab es auch schon in Zeiten von Goethes Werther, jedoch gibt es heute doch weitaus mehr Künslter die gesellschaftlich einen sehr hohen Status geniessen und dazugehörige Fans die sich aufgrund einer unerfüllten Liebe eine Brücke hinabstürzen. Mit dem Erfolg kamen die Drogen und mit den Drogen die illegalen Downloads und plötzlich gab es nur noch zwei Gruppen von Kulturschaffenden: Jene Minderheit die sich erfolgreich in der Medienindustrie prosituiert hat und der andere Grossteil der nach den sporadischen künstlerischen Darbietungen sein brotloses Dasein fristet. „Vor 10 Jahren noch hätten wir Jahr für Jahr rund 200’000 Franken mit Album-Verkäufen eigenommen“, sagt Andreas Ryser vom Berner Electro-Pop-Duo Filewile in der NZZ am Sonntag vom 11.03.2012. „Aber das ist vorbei. Von der Musik allein zu leben, ist fast unmöglich“. Zwar sieht auch Andreas die Vorzüge von YouTube und co., nämlich dass die Werke von kleinen, unabhängigen Künstlern sehr schnell bekannt werden können, allerdings werden damit keine Platten verkauft. Erhältlichkeit alleine generieren eben noch keine Verkäufe. Trotzdem gibt es nach wie vor mutige Künstler die sich diesem gnadenlosen Alles-oder-Nichts-Prinzip stellen und der Schweizer Markt  für Musik wächst stetig, entgegen aller Weltuntergangsstimmung. Aber auch der Verein für Musikschaffende in der Schweiz beklagt sich: „Wir haben den Eindruck, dass unsere Arbeit als wertlos angesehen wird“ und wiederholt damit nochmal den oben beschrieben Gedanken von Herrn Lobo. Ja, lieber Verein für die Musikschaffenden der Schweiz, schön habt ihr es auch noch „erlickt“ und nun könnt ihr euch im Selbstmitleid suhlen bis ihr Wund werdet, denn so schnell wird sich am System nichts ändern. Erst mit dem Major Label im Rücken hat man die Chance wirklich bekannt und reich zu werden – mit dem Nachteil, dass man (fast) sämtliche Rechte an den geschaffenen Werken los wird oder man verkauft seine CD’s selbst und behält seine Unabhängikeit mit dem Nachteil, dass man kaum wahrgenommen wird. Beim Eigenverkauf einer CD von 20 Fr. erhält man immerhin ganze 17.50 Fr. nur 2.50 entfallen für Steuern und CD-Herstellung. Bei einem Plattenvertrag sind es dann gerade mal noch 2-4 Fr. und bei Itunes 1.60 Fr die effektiv in die Tasche der Künstler wandern (Informationen von der NZZ am Sonntag, 11.03.2012, S. 25 entnommen). Oder um es in den Worten von  Ryan Adams auszudrücken: „Jemand macht Geld mit deinen Platten. Aber nicht du.“

SOPA vs. ACTA: Wieso ACTA gefährlicher ist

Bild: Johanna Bocher

Connor Adams Sheets von der International Business Times schreibt dazu:

Der Anwendungsbereich:

SOPA ist ein Gesetz des US Kongresses. Es hätte zwar weltweite Auswirkungen haben können, weil es der US Justiz mehr Mittel im Kampf gegen ausländische Webseiten, die Urheberrechtsverletzungen begehen, gegeben hätte.

ACTA hingegen ist ein weltweites Handelskommen, dass ein internationalen rechtlichen Rahmen zur Bekämpfung von Fälschungen, Piraterie und anderen Verbrechen schaffen würde. Es wird befürchtet, dass bei Annahme von ACTA nicht mehr die individuellen Gesetze der Länder zur rechtlichen Beurteilung verwendet würden. Durch ACTA könnte weltweit mittels einer koordinierten Behörde hart gegen Internetaktivitäten durchgegriffen werden.

Transparenz:

Die Diskussionen zu SOPA fanden zwar weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, aber weil sie in den Hallen des US Kongress stattfanden, konnten Internet Aktivisten das Vorgehen beobachten und Entwürfe des Gesetzesentwurfs studieren.

ACTA wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt. Hätte Wikileaks nicht Dokumente veröffentlicht mit Details der Verhandlungen und Entwürfen des Abkommens, die Welt wüsste bis heute sehr wenig, was das Handelsabkommen alles beinhaltet. Das sorgt für grosse Beunruhigung bei den Internetnutzern, die sichergehen möchten, dass dieses Abkommen nicht Rechte wie z.B. die Privatspähre der Benutzer verletzt oder den Status des Webs als Ort für freien Informationsfluss beinträchtigt.

Leichtigkeit der Annahme:

Die Abstimmung über SOPA wurde verschoben, weil die Zustimmung beider Häuser des amerikanischen Kongresses sowie Barack Obama für die Annahme nötig gewesen wären. Einmal genehmigt hätte es durch zukünftige Kongresse geändert und angepasst werden können.

ACTA wurde bereits andererseits durch die Vereinigten Staaten am 11. Oktober 2011 unterzeichnet, und Obama musste dafür weder die Zustimmung des Kongresses noch des obersten Gerichts oder der amerikanischen Stimmbürger einholen. Da es ein Handelsabkommen ist, kann es nicht von einem Land überarbeitet oder aufgehoben werden. Das bedeutet, einmal angenommen kann es praktisch nicht mehr geändert werden.

Level der Abstützung:

Bevor SOPA gestoppt wurde, hatte das Gesetz nur 31 Co-Sponsoren im Kongress, was heisst, dass es nie sehr beliebt war. Trotz des Aufschreis, das SOPA das Internet, wie es jetzt wäre, stoppen würde und das der Kongress dem Gesetz zustimmen würde, war die Gefahr dafür nie wirklich gross.

ACTA, auf dem anderen Seite, ist ein internationaler Abkommen, was bedeutet, dass er nur Unterschriften benötigt, und nicht Stimmen dafür, welche mindestens teilweise auf die öffentliche Meinung beruhen würden. Und viele Regierungen haben den Vertrag bereits unterzeichnet.

Sichtbarkeit:

Die Kampagne gegen SOPA startete relativ früh in deren Entwicklung. Zum Zeitpunkt, als das Gesetz vor den Rechtsausschuss kam, hatten Gegner bereits gegenüber einem grossen Teil der Internetbenutzer lautstark ihren Unmut kundgetan.

ACTA war, obwohl offiziell seit fünf Jahren verhandelt wurde, lange Zeit nicht im Bewusstsein der Leute. Aber die Sichtbarkeit von ACTA steigt in Nationen, die das Abkommen noch nicht unterzeichnet haben. Am 11. Februar 2012 gingen Zehntausende von Leuten auf die Strasse, um gegen ACTA zu protestieren. Die europäische Kommission hat danach die Zustimmung ausgesetzt, um weitere Abklärungen zur Rechtmässigkeit des Abkommens durchzuführen.

SOPA und ACTA haben beide die gleiche Grundidee, nur ist ACTA noch viel umfassender und grösser als SOPA. Bei beiden war für mich die fehlende Transparenz/Kommunikation und die fehlende demokratische Abstützung störend. Es kann nicht sein, dass erst im Geheimen etwas verhandelt wird und dasselbe dann auch noch stillschweigend und ohne öffentliche Diskussion von unseren Regierungen angenommen wird.

Online Piraterie: ein Service-Problem?

Hollywood versucht seit Jahren Online Piraterie auszulöschen. Was sie nicht einzusehen scheinen ist, dass dieser Krieg nicht gewonnen werden kann. Die Technologie wird sich weiterentwickeln und die Piraten werden immer einen Schritt voraus sein.

Gesetze dagegen sind nicht wirklich eine Antwort. Online Piracy ist fast überall auf der Welt illegal und doch gibt es sie immer noch. Auch SOPA und ACTA werden diese nicht ausrotten.

Was könnte man sonst machen? Paul Tassi von Forbes schreibt, man müsse realisieren, dass Online Piraterie ein Service Problem ist. Man kann heute in kürzester Zeit und nur 7 Schritten einen aktuellen Film via BitTorrent downloaden. Es ist nicht ethisch richtig. aber die Möglichkeit ist da und einfach. Wenn nach 10 Jahren und Millionen von Anwaltskosten Pirate Bay vom Netz verschwindet, gibt es hunderte von anderen Torrentseiten, die ihren Platz einnehmen werden. Und selbst wenn Torrents ganz verboten würden, würde das Internet einfach etwas neues erfinden.

Gemäss Paul Tassi ist der 7 Schritte / 10 Minute Prozess, mit dem man einen Film runterladen kann, der wahre Feind der Filmindustrie, den sie bekämpfen sollten. Momentan steckt die Branche immer noch in der Vergangenheit und geht nur im Schneckentempo richtig Zukunft. Die Filmindustrie glaubt immer noch daran, dass die Leute auch in 5 Jahren noch DVD’s und Blu-Rays kaufen werden und dass ein Kinoticket 15 $ wert.

Die Contentindustrie hat nicht erkannt, dass Leute sich Einfachheit wünschen. Ins Kino zu gehen benötigt einen grösseren Effort als simples Runterladen, und man muss erst noch nicht viel zu viel dafür bezahlen. In einen Laden zu gehen und eine DVD zu kaufen, anstatt sie mieten oder runterzuladen, ist unpraktisch und macht nur Sinn, wenn man entweder Filme sammelt oder diesen bestimmten Film wirklich liebt.

Paul Tassi schlägt deshalb die Einrichtung eines Filmportals vor, mit dem die Nutzer schnell und billig Filme kaufen oder mieten könnten. Dieses müsste kompatibel sein mit allen möglichen Plattformen und Geräten. Das Portal müsste alle Filme anbieten, egal ob kleiner Indie oder grosser Blockbuster. Die Filme auf dem Portal sollten kein DRM haben, damit die User die Filme problemlos auf ihrer Festplatte speichern können oder auf DVD oder Blu-Ray brennen können. Der Ablauf so hätte 3 Schritte weniger als der Download mittels Torrent und man müsste sich noch nicht mal schuldig fühlen, wenn man etwas runterlädt.

Nach SOPA und PIPA sieht Hollywood aus wie ein Dinosaurier, der versucht Radio oder Video Kassetten zu verbieten. Der Autor des Artikels ist für das Kaufen von Produkten, die es wert sind. Er glaube aber nicht an ein Preis- und Vertriebsmodell, dass denkt, es sei noch 1998. Ebenfalls glaube er nicht an das Zensieren des Internets, nur damit Studios und Manager noch einige Millionen auf ihren bereits enormen Geldstapel hinzufügen können.

Ich stimme Paul Tassi zu. Für mich gibt es drei Gründe für Online Piracy: der Preis, die Verfügbarkeit und Gewohnheit. Und solange die Content Industrie nicht einsieht, dass das Internet global ist und die Verfügbarkeit und den Preis anpassen, werden sie immer mit Online Piraterie zu kämpfen haben.

Zum Schluss möchte ich noch den Comic von The Oatmeal zum Thema empfehlen, der kurz und treffend die Schwierigkeiten eines zahlenden Konsumenten in Amerika darstellt. Der Anfang:

Den Rest findet ihr hier
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Online Piracy aus einem anderen Blickwinkel betrachtet

Beim Recherchieren bin ich auf einen interessanten Artikel gestossen.

Die Mehrheit der Diskussion über Online Piracy dreht sich um den mutmasslichen wirtschaftlichen Schaden, der durch Urheberverletzungen verursacht wird. Wenn diese berechnet werden, gehen Urheberrechtsinhaber jeweils davon aus, dass jeder illegale Download ein Verlust darstellt.

Matthew Yglesias meint, dies sei falsch. Wenn jemand etwas downloade, sei es nur ein potenzieller Verlust, denn nicht jeder, der sich Sachen runterlädt, würde das Gleiche auch tatsächlich kaufen. Wäre unerlaubtes Kopieren keine Option, würde ein Teil der Leute einfach den Film nicht schauen oder das Album nicht hören. Und wenn jemand sich ein Buch runterlädt, ohne dafür zu bezahlen, sei das zwar ein realer Verlust für den Urheber des Buches, das Geld verschwinde aber nicht einfach, es komme dafür einfach jemand anderem im Wirtschaftskreislauf, wie z.B. der lokalen Pizzeria, zu Gute.

In dem Artikel wird nicht dafür plädiert, keine Copyright Gesetze zu haben oder gar keine Strafen für Online Piracy zu haben. Denn wenn Urheberverletzungen aus dem Ruder laufen, könnte es vielleicht eines Tages passieren, dass Bands aufhören, Alben aufzunehmen und keine neuen Fernsehserien veröffentlicht werden. Die gleiche digitale Welt, welches das Piracy Problem geschaffen hat, hat aber auch neue Möglichkeiten erschaffen und macht es einfacher für kleine Firmen, ihre Produkte zu vertreiben. Digitale Technologie hat den Preis reduziert, den wir für neue Werke bezahlen und macht die Erstellung solcher billiger. SOPA findet er deshalb, sei nicht nur ein aufdringlicher Weg ein Problem zu lösen, es ist eine Lösung zu einem Problem, das gar keines sei.

Ich fand es schön, mal einen Artikel zu Online Piracy zu lesen, der nicht nur gegen die bösen illegalen Downloader wettert. Ich stimme ihm zu, was die Downloads betrifft. Nicht jeder, der etwas ohne Bezahlung runterlädt, würde sich das auch legal kaufen. Es ist schwer abzuschätzen, wie hoch die Zahl der tatsächlichen Verluste durch Online Piracy wirklich ist. Für die Branchenverbände macht es natürlich Sinn, die mutmasslichen Verluste grosszügig zu schätzen, denn je grösser die Zahl, desto grösser die Entrüstung und Aufmerksamkeit der Politiker.

„Protecting Content and Promoting Innovation in a Digital Age“: Jeder ist ein Pirat

Das Paley Center for Media beschäftigt sich mit der Überschneidung von Medien und Gesellschaft. Das Center führt Diskussionen über die kulturelle, kreative und soziale Bedeutung von Fernsehen, Radio und neuen Plattformen durch. Mitte Februar 2012 fand eine Diskussion zum Thema „Protecting Content and Promoting Innovation in a Digital Age“ statt.

An der Diskussion teilgenommen haben Richard Cotton, General Counsel von NBC Universal und Fred Wilson, Mitgründer von Union Square Ventures, einer Venture Capital Firma, welche viele Investments in Web 2.0-Firmen wie z.B. Twitter, Tumblr, Etsy, del.icio.us etc. hält.

Fred Wilson bringt das grundlegende Problem auf den Punkt:

We gotta fix the system so that the content is available legally on the internet in a way that it is available for people to consume it. As convenient as turning on your TV and watching HBO, that’s how convenient it has to be. The content industry has not made this content convenient to access on the internet and as a result everybody, and I mean everybody, is a pirate. Okay so in the world where everybody is breaking the law, you gotta look at the law. Is it the right law?

Eines der Probleme, die zu Online Piracy führen ist, dass die Content Industrie (Plattenfirmen, Filmstudios, Verlagshäuser etc.) das Internet verschlafen hat. Nicht jeder Content ist heute gleichzeitig weltweit legal auf dem Internet verfügbar. Das ist ein Problem, denn auf illegalem Wege ist alles einfach und schnell verfügbar. Es ist verständlich, dass Verträge mit Anbietern auf Landesgrenzen Rücksicht nehmen müssen. Aber es scheint, als würden sowohl der Wille als auch die Ideen fehlen, sich dem digitalen Zeitalter anzupassen. Die Konsumenten sind zur Zeit des globalen Internets nicht mehr geduldig, sie möchten jetzt ihre Inhalte konsumieren und nicht erst in drei Monaten oder einem Jahr, wenn er in ihrem Land veröffentlicht wird. Die Content Industrie ist nicht innovativ genug, um von dem Teil der Bevölkerung, die bereit wären, für Inhalte zu zahlen, zu profitieren. Stattdessen kriminalisiert sie lieber einen Grossteil der Bevölkerung. Wie schwierig wäre es z.B. alle Songs im iTunes Music Store weltweit verfügbar zu machen? So müsste ich als Konsument nicht immer schauen, ob ein Album im Schweizer Store verfügbar ist, sondern könnte mich darauf verlassen, dass es da ist, wenn es veröffentlicht wurde.

Ein weiteres Problem ist, dass sich die Leute daran gewöhnt haben, Inhalte nicht legal zu beziehen. Fred Wilson schlägt darum vor, eine weisse und schwarze Liste zu entwickeln. Beim Anzeigen von Suchergebnissen einer Seite von der schwarzen Liste würde eine Meldung eingeblendet „Sie besuchen eine Seite auf unserer schwarzen Liste. Wir glauben, dass die Seite raubkopierte Inhalte enthält. Sie können diese Inhalte legal auf diesen Seiten von unserer weissen Liste beziehen“. So könnten die Leute langsam wieder umerzogen werden.

Es stellt sich schliesslich die Frage: müsste man das bestehende Gesetz anpassen oder gar ein digitales Urheberrecht schaffen? Denn wenn ein Grossteil der Bevölkerung in irgendeiner Form gegen ein Gesetz verstösst, besteht eindeutig Anpassungsbedarf.

Die ganze, rund 40 min. Diskussion findet man hier.

Netzaktivismus – über Anonymous und andere Kindsköpfe

Die Debatte um ACTA ist hierzulande im vollem Gange. Während dem in den letzten Wochen zahlreiche Bürger auf die Strasse gingen um friedlich gegen das Abkommen zu protestieren, mögen es andere radikaler. Kleinere Fische wie etwa der YouTuber Athene nutzen ihren Bekanntheitsgrad, um ihr Publikum dazu aufzurufen die Twitter-Accounts der Senatoren, welche SOPA unterstützen, mit mehr oder minder sinnvollen Kommentaren zu bombardieren. Zahlreiche betroffene Senatoren meldeten daraufhin, dass sie nicht mehr hinter dem Gesetzesentwurf stehen. Einen Auszug davon befindet sich hier.

Der CDU-Abgeordnete Angsar Heveling hat dann wohl auch nicht damit gerechnet, dass er mit seinem Kommentar zu SOPA im Handelsblatt so viele Internetuser erzürnt. Die Netzgemeinde reagierte prompt, als der Politiker, welcher in  der Bundestags-Kommission „Internet & Digitale Gesellschaft“ tätig ist, folgendes geschrieben hat:

„[…] liebe „Netzgemeinde“: Ihr werdet den Kampf verlieren. Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers, es ist die Perspektive eines geschichtsbewussten Politikers. Auch die digitale Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird.“

Seine Internetseite wurde sogleich gehackt, woraufhin sich plötzlich verschiedene Kommentare auf seiner Seite befanden die so gar nicht mit Meinung des Politikers zusammenfallen. Das Hacken dürfte allerdings auch nicht sonderlich schwierig gewesen sein: Der Benutzername war demnach sein Vorname und das Passwort sein Nachname.

Auf einer anderen Ebene agiert das Hackerkollektiv Anonymous. Sony, welche SOPA finanziell unterstützt haben, wurde damit bedroht ein weiteres Mal gehackt zu werden. Der Angriff auf das Playstation Network hat in den vergangen Monaten einen Millionenschaden verursacht, was Sony dazu bewog, den Geldhahn für SOPA zuzudrehen, um weiteren Angriffen zu entkommen. Ausserdem bekennen sich Anonymous dazu, verschiedene Webseiten der polnischen Regierung angegriffen, manipuliert oder lahmgelegt zu haben. Selbiges gilt für das FBI, die US-Handelskommission und das US-Justizministerium.

In einer aktuell laufenden „Operation“ ruft das Hackerkollektiv die Netzgemeinde dazu auf, für einen ganzen Monat keine kostenpflichtigen Medien zu konsumieren, um so die Medienkonzerne zu boykottieren.

Manch einer wird sich nun fragen, was für Menschen wohl hinter diesen Aktionen stecken und viele werden vermutlich meine Meinung teilen und sagen, dass es sich hierbei um Jugendliche im Netz handeln muss. Und als solche, sind und waren wir übermütiger und eher dazu bereit kriminelle Energie an den Tag zu legen. Dabei ist diese Einstellung (sofern legal) durchaus lobenswert und es ist hochspannend mitanzusehen, was sich die Netzgemeinde als nächstes einfallen lässt um sich gegen die drohende Zensur durch die Medienkonzerne zur Wehr zu setzen. Dass sie sich hierbei unter Umständen auch selbst schaden sind sich die Aktivisten wohl nicht immer im Klaren. Dem FBI kann es wohl egal sein, ob ihre Internetseite vorübergehend Offline ist, wohingegen sich das Bild des zerstörerischen, affektiv handelnden und rücksichtslosen Internetuser immer mehr in den Köpfen der Bevölkerung einbrennt, was wiederum zur Folge haben kann, dass die SOPA- und ACTA-Gegner alle ungewollt in einen Topf geworfen werden.