Mega Firma, mega Klage (Teil II)

Im ersten Teil von Mega Firma, mega Klage, wurde erläutert welche Rolle One-Click-Hoster wie Rapidshare und Megaupload im Internet spielen bzw. spielten. Nun stellt sich aber immernoch die Frage, warum Kim Dotcom für Megaupload den Kopf hinhalten musste, die gutbürgerliche Alexandra Zwingli von Rapidshare aber bisher verschont wurde.  Der Verdacht liegt nahe, dass Alexandra Zwingli und Rapidshare seriöser auftreten und ihre Hausaufgaben besser gemacht haben, wohingegen  der skandalbegleitete und risikoreiche Werdegang von Kim Dotcom automatisch mehr Angriffsfläche für die Contentindustrie bietet. Dabei hat sich Kim wirklich ins Zeug gelegt bei der ganzen Megaupload-Geschichte unbekannt zu bleiben. Er bot dem Szeneportal gulli.com quasi ein Schweigegeld an, damit diese den Inhaber von Megaupload nicht offenlegen. Auch beim Kauf der angeblich teuersten Immobilie  Neuseelands rätselten die Neuseeländer lange wer der neue Besitzer der Luxusvilla Chrisco Mansion ist. In einem offenen Brief wendet sich diese an die neuseeländische Nachbarschaft:

Fifteen years ago I was a hacker and 10 years ago I was convicted for insider trading. Hardly the kind of crimes you need to start a witch hunt for. Since then I have been a good boy, my criminal records have been cleared, and I created a successful Internet company that employs 100+ people.

All the media has to report are old news. Why? Because I have chosen to avoid the media. Just look what the media did to this Neighborhood. Scary.

Now you can make a choice: 1: Call Interpol, the CIA, and the Queen of England and try to get me on the next plane out of New Zealand. 2: Sit back, relax and give me a chance to do good for New Zealand and possibly the Neighborhood.

If you feel like it come over for coffee sometimes. And don’t forget to bring the cocaine (joke).

All the best, Kim.

Kim wäre aber nicht Kim, wenn er irgendwann seinem Drang nach Selbstdarstellung nachgeben würde, denn bei Kim ist alles Mega, seine Firma sein Taillenumfang, sein Haus und in letzter Konsequenz auch das mega Polizeiaufgebot. Dem vorausgegangen war aber der eigentliche Fehler des Megaupload-Gründers Kim Schmitz. Plötzlich war dieser im Mega Song (ja, der Titel heisst tatsächlich so) mit einigen sehr grossen und bekannten Künstlern der US-Musikbranche zu sehen. Das Ganze wirkt aber so inszeniert und werbend, dass man sich fragt, warum sich die Künstler für einen Dienst instrumentalisieren lassen, den die Musikbranche als Ausgeburt der Hölle betrachtet.  Nun, Kim Schmitz war drauf und dran die Musikbranche bis ins tiefste Mark zu erschüttern. Mit dem Service Megabox sollen die User des Dienstes über eine Flatrate alle Musikstücke derer Künstler gratis downloaden können, die einen Vertrag mit Megabox abgeschlossen haben. Kim Dotcom äusserte sich dazu folgendermassen:

UMG [Universal Music Group] knows that we are going to compete with them via our own music venture called Megabox.com, a site that will soon allow artists to sell their creations directly to consumers while allowing artists to keep 90 percent of earnings,

We have a solution called the Megakey that will allow artists to earn income from users who download music for free, yes that’s right, we will pay artists even for free downloads.  The Megakey business model has been tested with over a million users and it works.

In der „Nahrungskette“ wären damit die Musikbranche und Verwertungsgesellschaften einfach vergessen gegangen, denn mit Megabox stünde zwischen dem Künstler und seinen Verkäufen nur eine Gebühr von 10%. Möglicherweise war es genau dieses Geschäftsmodell welches die Contentindustrie so gefürchtet hat, dass sie das FBI und Interpol auf den Plan gerufen hat. Zwischen zeitlich durfte Kim wieder zurück in seine Villa, wo er auf seine mögliche Auflieferung in die USA wartet.

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Internet Defense League

Obwohl SOPA in den USA vom Tisch ist, unternehmen US-Politiker immer wieder neue Versuche, das Internet zu regulieren. Aus diesem Grund hat die Nutzer-Lobby ‚Fight for the Future‘ die Internet Defense League gegründet. Diese Gruppierung möchte noch schneller gegen neue Vorstösse in Richtung Regulierung des Internets vorgehen. Auf ihrer Website tönt das folgendermassen:

„The Internet Defense League takes the tactic that killed SOPA & PIPA and turns it into a permanent force for defending the internet, and making it better. Think of it like the internet’s Emergency Broadcast System, or its bat signal!“

Internet Defense League, Website

Header der Website der Internet Defense League

Was aber tut die Internet Defense League konkret? Laut einem Artikel von ‚Spiegel Online‘ ist das Ziel der Gruppierung, Website-Betreiber frühzeitig zu warnen und mit Bannern ausstatten. Ein Artikel von Computerbild geht noch genauer darauf ein: Das Warnsystem funktioniert so, dass man sich, nachdem man sich als Website-Betreiber registriert hat, einen HTML-Code erhält, den man bei einer Warnung in den Seitencode einbetten kann. Auf der Website zeigt sich dieser Code in Form eines Banners, das die User auf die Gefahr hinweist. Es werden Vorschläge für Protestaktionen gemacht. Ob die Website-Betreiber dann an Protestaktionen mitwirken, bleibt ihre Entscheidung. Solche Protestaktionen könnten beispielsweise sein, dass man die Website für eine gewisse Zeit vom Netz nimmt oder auf der Website einen Hinweis für die User platziert. Die Ziele der Internet Defense League werden auch auf diesem Video offensichtlich.

Die Internet Defense League wird von bekannten Namen angeführt: Zum einen engagiert sich Netzaktivistin Tiffiniy Cheng von ‚Fight for the Future‘ für das Projekt und zum anderen Reddit-Mitgründer Alexis Ohanian. Sie konnten schon einige wichtige Websites als Mitglieder gewinnen wie z.B. die Bloghosting-Plattform WordPress.

Mitglieder der Internet Defense League

Mitglieder der Internet Defense League

Wikipedia überlegt laut dem Artikel auf ‚Spiegel Online‘ noch, ob sie Mitglied werden möchte. Das wäre dann der bisher grösste Coup der Internet Defense League.

Mega Firma, mega Klage (Teil I)

Es ist eine Szene wie aus einem Kinofilm: Der millionenschwere Kim Schmitz auch bekannt als Kim Dotcom oder Kim Vestor wird am 19. Januar dieses Jahres aus seiner Villa in Neuseeland von einer Anti-Terror-Einheit abgeführt. Der Besitzer des ehemaligen One-Click-Hosters Megaupload war schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. In den 90er Jahren war er in der Mailbox-Szene aktiv und vertrieb durch seine „Mailbox“ urheberechtlich geschützte Inhalte. In der WDR-Sendung Monitor, demonstrierte er, wie man ein Telefon hackt, um kostenlose Telefonate führen zu können. Seinem Hacker-Talent und den Insiderinformationen  hat er es dann auch zu verdanken, dass er dem Gefängnis entkam – er arbeitete fortan als Sicherheitsexperte für die Saatsanwaltschaft. Jahre später gründete er die Firma DataProtect, die er gewinnbringend an den TÜV Rheinland verkauft. Den korpulenten Mann scheint zeitlebens ein Geltungsdrang zu verfolgen. Jung reichgeworden, feiert er pausenlos, lässt sich mit Prominenten ablichten und reist mit Jacht und Privatjet durch die Welt –  und merkt bald, dass ihm das Geld ausgeht. Hochverschuldet taucht er irgendwo in Asien unter, um einer weiteren Verurteilung zu entgehen. In Hong Kong baut er sich mit Megaupload eine neue Existenz auf. Das Geschäftsmodell ist simpel wie genial: Grosse Datenmengen welche in keinen E-Mailanhang passen, können gegen Bezahlung eines Jahresabonnements bei Megaupload mit einem Klick  hochgeladen und mit einem Link an beliebig viele Nutzer verteilt werden.

Bild: fernand0

Damit schliessen One-Click-Hoster die Lücke nach dem Bedürfnis jederzeit auf Daten zugreifen und diese versenden zu können. Simpel, genial – illegal? Denn wo Daten hochgeladen werden gibt es auch Urheber deren Rechte gewahrt und nicht wie im Beispiel Megaupload und zahllosen anderen One-Click-Hoster mit Füssen getreten werden sollen. One-Click-Hoster beteuern in solchen Fällen ihre besten Absichten, schliesslich sind sie nur Betreiber der Plattform und es sei nur schwierig allen Urheberechtsverletzungen Herr werden können. Das stimmt in der Tat – eine technische Umsetzung ist schwierig, nur nehmen es die einen mit der Löschung und Verbreitung ein wenig genauer als andere Hoster. So wurde Megaupload beschuldigt Gelder für den Upload von Kinoblockbustern zu zahlen und einige Inhalte wurden absichtlich nicht entfernt. Solche File-Hoster oder One-Click-Hoster schossen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden und erwirtschaften den Grossteil ihres Gewinns nicht durch die vordergründige Kernkompetenz eines Cloud-Dienstes, sondern durch die Möglichkeit der illegalen Verbreitung bzw. des Bezugs urheberrechtlich geschützter Inhalte. Megaupload und Co. sind damit neben den altbekannten Peer-to-Peer-Netzwerken zum neuen Feind der Content-Industrie erklärt worden.

Der weltweit grösste File-Hoster heisst Rapidshare und ist eine, man glaubt es kaum, in der Schweiz ansässige Firma. 2007 musste sie sich dem Vorwurf der GEMA stellen, Werken des GEMA-Repertoires rechtswidrig  zum eigenen Vorteil zu nutzen. Zahlreiche weitere Klagen u.a.  durch die GEMA und dem Erotikmagazin Perfect 10 folgten. Die Landesgerichte Hamburg, Düsseldorf und Köln sind sich in dem Punkt einig, dass Rapidshare offensichtlich illegale Inhalte hostet, der Nachweis  sei aber sehr schwierig und der Aufwand diese Inhalte zu 100% zu unterbinden unzumutbar. Und so erfreut sich die Aktiengesellschaft Rapidshare noch heute bester Gesundheit. Man hat zwar intern eine ganze Abteilung die sich mit der Löschung illegaler Inhalte beschäftigt, im gleichen Zug werden diese dann aber wieder durch die Nutzer hochgeladen. Da hilft dann (zum Glück) auch der selbstentwickelte „Rapidshare-Crawler“ nicht weiter. Ich stelle mir gerade vor wie diese Abteilung sich selbst Fragen zur eigenen Existenzberechtigung und der Sinnlosigkeit ihrer Arbeit  stellt muss – denn weder Rapidshare noch ihre Nutzer haben ein echtes Interesse daran urheberechtliche Verstösse zu unterbinden. Viel wichtiger sind da die Rapidshare-Lobbyisten die das angekratzte Image in Washington verbessern möchten.

Gerade die Nutzer, welche nur “leechen“ also herunterladen, handeln trotz Urheberechtsverletzung absolut legal, denn für den Privatgebrauch ist das nach schweizerischem Urhebergesetz zulässig. Während bei Peer-To-Peer-Netzwerken der Nutzer zum Verteiler solcher Inhalte werden muss, und sich damit straffällig macht, kann man sich bei Filehostern auf den Konsum beschränken. Weiterhin liegen die Daten nicht auf den heimischen Rechner sondern, auf Servern mit Hochleistungs-Breitbandanschlüssen. Damit ist der Download komfortabel, schnell und rechtlich unproblematisch. Genau dieser Umstand ist es, der Filehoster so populär gemacht hat und berechtigterweise Vorstösse wie SOPA und ACTA forciert hat.

„Everything is a Remix“ Teil 4: Systemversagen

Blogeintrag zu Teil 1
Blogeintrag zu Teil 3

Die Videoreihe „Everything is a Remix“ beschäftigt sich mit Fragen, die eigentlich in Diskussionen um das Urheberrecht miteinfliessen sollten. Ich kann sie deshalb nur empfehlen.

Der wichtigsten Aussagen aus dem 4. und letzten Teil der Serie von Kirby Ferguson:

Neue Ideen entstehen aus alten Ideen. Aber unser Rechtssystem erkennt das ableitende Wesen von Kreativität nicht an. Stattdessen werden Ideen wie Eigentum behandelt, einmalig und originell und mit eindeutigen Grenzen. Ideen sind aber nicht so ordentlich, sondern geschichtet, miteinander verflochten und verworren.

Ideen waren für lange Zeit unserer Geschichte gratis. Die Werke von Shakespeare, Gutenberg und Rembrandt konnten offen kopiert werden und neue Werke darauf aufgebaut werden. Die wachsende Dominanz der Marktwirtschaft, wo die Produkte unserer intellektuellen Arbeit gekauft und verkauft werden, hatte aber eine unglückliche Nebenwirkung.

In den Vereinigten Staaten sollte die Einführung von Urheberrecht (Medien) und Patentrecht (Erfindungen) dazu beitragen, das Ungleichgewicht zwischen Erfinder/Erschaffer und Nachahmer zu adressieren. Denn es ist klar: Originelle Werke können nicht mit dem Preis von Kopien mithalten. Diese Gesetze sollten der Erschaffer ein zeitlich beschränktes, exklusives Zeitfenster schaffen, in dem ihr Werk nicht kopiert werden durfte und sie so ihre Entwicklungskosten zurückzuerhalten und einen Gewinn machen konnten. Nachdem kamen ihre Werke in die öffentliche Domain, wo sie kostenlos kopiert und weiterentwickelt werden konnten. Das war das Ziel: eine robuste öffentliche Domain mit Ideen, Produkten, Kunst und Unterhaltung, die für alle zugänglich war. Der Grundgedanke war das Allgemeinwohl. Aber mit der Zeit wurde dieses Prinzip zur völligen Unkenntlichkeit verändert. Einflussreiche Denker schlugen vor, dass Ideen eine Art von Eigentum seien. Dies führte zum Begriff „Intellectual Property“, auf deutsch „geistiges Eigentum“.

Das sich „geistiges Eigentum“ als Idee durchgesetzt hat, ist aufgrund der menschlichen Eigenart zu „Loss Aversion“. Das heisst: Wir hassen es, etwas zu verlieren, was wir haben. Wir bewerten Verluste viel höher als Gewinne. Den Ertrag, den wir durch das Kopieren der Ideen von anderen machen, hinterlässt kaum einen Eindruck. Sobald es aber unsere Ideen sind, die kopiert werden, empfinden wir das als Verlust und werden territorial. So bediente sich Disney ausführlich aus der öffentlichen Domain mit Filmen wie Schneewittchen, Pinoccio und Alice im Wunderland. Als aber Urheberrecht der ersten Filme von Disney abzulaufen drohte, haben sie sich für ein verlängertes Copyright eingesetzt. Wenn wir etwas kopieren, dann rechtfertigen wir uns, wenn andere kopieren, dann verteufeln wir sie. Die meisten Leute haben keine Probleme mit dem Kopieren von etwas, solange sie es selber tun.

Seit den späten 90er-Jahren wurden eine Reihe neuer Urheberrechtsgesetze und -bestimmungen eingeführt und viele mehr sind in Vorbereitung. Die ehrgeizigsten im punkto Anwendungsbereich sind Handelsabkommen. Weil sie nur Abkommen und keine Gesetze sind, können sie im geheimen und ohne öffentliche Diskussion ausgehandelt werden. ACTA wurde 2011 von Präsident Obama unterzeichnet.

Der Glaube an geistiges Eigentum hat den ursprünglichen Gedanken hinter Urheberrecht und Patentrecht aus dem öffentlichen Gedächtnis verdrängt. Der ursprüngliche Text des Urheberrechts war untertitelt „An act for the encouragement of learning“, der Text des Patentrechts „An act to promote the progress of useful Arts“. Die Absicht war, das Leben aller zu verbessern, indem Kreativität belohnt wurde und eine reichhaltige öffentliche Domain zu schaffen, ein gemeinsamer Wissenspool, der allen offen steht. Aber exklusive Rechte wurden von den Leuten für wichtiger gehalten, deshalb wurden diese Rechte verstärkt und ausgedehnt. Das führte aber nicht zu mehr Fortschritt oder mehr Lernen, nur zu mehr Streitereien und Missbrauch.

Wir leben in einer Zeit mit gewaltigen Problemen. Wir brauchen die bestmöglichsten Ideen und wir brauchen sie jetzt. Das Gedanke ans Allgemeinwohl wurde durch geistiges Eigentum verdrängt. Das Allgemeinwohl als Idee sollte sich wieder verbreiten.

We are Anonymous! Aber was ist Anonymous?

Die Organisation, welche doch keine ist, hat ihren Ursprung gemäss diesem Blog im Internetforum 4chan.org. Genauer gesagt auf dem berüchtigten Unterforum /b/, auf dieser Homepage kann man sich nicht als User registrieren. Bei jedem Besuch muss nur ein Nickname angegeben werden um sich einzuloggen, dieser kann aber ebenso gut auch von anderen Usern benutzt werden. Gibt man keinen Username an wird man automatisch als Anonymous aufgeführt, speziell im Unterforum /b/ ist dies üblich.

In diesem Forum soll Anonymous angeblich geboren worden sein, daher auch der Name. Aber Anonymous sind gerne namen- und gesichtslos. Mitglieder von Anonymous verstecken sich gerne hinter Masken von Guy Fawkes. Gemäss Spiegel Online war Guy Fawkes ein katholischer Fanatiker, heute würde man ihn wohl Freiheitskämpfer nennen, er versucht am 5. November 1605 einen Anschlag auf das britische Parlament und den König. Der Anschlag wurde vereitelt und Guy Fawkes zum Tode verurteilt.

Der Comic Autor Alan Moore und der Zeichner David Lloyd haben sich diesen Freiheitskämpfer für ihren Comic und die spätere Verfilmung von „V for Vendatta“ zum Vorbild genommen. Anonymous nutzen heute diese Verkleidung um für Netzfreiheit und gegen Zensur zu kämpfen.

Gemäss Zeit ist Anonymous ist eine Organisation ohne Hierarchien. Vielleicht ist der Begriff Organisation bereits falsch gewählt, Anonymous ist eher eine Bewegung, eine Idee! Kommuniziert wird über den Internet Relay Chat IRC oder über andere Internetkanäle. So werden über das Internet Anschläge geplant und dann auch durchgeführt, üblicherweise folgt dann auch ein Bekennerschreiben. Aufgrund fehlender Strukturen kann eigentlich jeder eine Anon werden und unter diesem Namen Aktionen starten.

Gemäss Wikipedia war die erste grosse Aktion von Anonymous „Projekt Chanology“ und richtet sich gegen Scientology. Im Januar 2008 tauchte ein Video auf Youtube auf, in welchem Tom Cruise über Scientology spricht. Scientology sah sich dadurch in ihren Urheberrechten verletzt und lies das Video beseitigen. Die Mitglieder des Projekts Chanology bezeichneten dieses Vorgehen als Internetzensur und starteten zahlreiche Attacken auf Scientology-Websites. Nachdem sich Scientology online besser zu schützen wusste wurden die Angriffe in Form von Demonstrationen, Scherzanrufen und Scherzpost fortgeführt.

Eine weitere Aktion „Operation Payback“ startete im Jahr 2010, dabei wurden verschiedenste Ziele angegriffen. Um Befürworter des freien Tausches von urheberrechtlich geschütztem Material zu unterstützten, wurden grosse Anti-Piracy-Organisationen angegriffen. Auch wurden Finanzunternehmen welche die Geschäftsbeziehungen mit WikiLeaks gekündigt hatten von Anonymous angegriffen.

Es ist nicht weiter schwierig zu erraten, dass sich Anonymous auch gegen SOPA und ACTA stellen. Anonymous haben den Aufruf der Piratenpartei zu Demonstrationen unterstütz und über das Internet weiterverbreitet. Des Weiteren sollten in sogenannten „Paperstorms“ möglichst viele Flyer zur Aufklärung über ACTA an die Bevölkerung verteilt werden. Hauptsächlich wurde in diesen Aktionen die Aufklärung der Bevölkerung in den Vordergrund gestellt. Doch nicht alle Proteste verliefen so friedlich, die Webseite der US-Handelskommission FTC, welche ACTA unterstützt, wurde zum Beispiel von Anonymous angegriffen.

Ebenfalls zur Aufklärung der Bevölkerung über ACTA wurden zahlreiche Videos auf Youtube gestellt.Hier ein Video Beispiel, welches unter dem Namen von Anonymous zum Thema Acta veröffentlicht wurde:

„Everything is a Remix“ Teil 3: Die Elemente der Kreativität

Blogeintrag zu Teil 1

Woher kommen Ideen? Wie sind die bedeutendsten Erfindungen der Welt überhaupt entstanden? Hatten die Erfinder einen „göttlichen“ Einfall? Oder beruhen alle Ideen irgendwo auf anderen? Diesen und anderen Fragen wird in der vierteiligen Videoserie „Everything is a Remix“ nachgegangen. Teil 3 handelt von den Elementen der Kreativität:

  • Kopieren
  • Verwandeln
  • Kombinieren

Kirby Ferguson argumentiert, kopieren und nachahmen sei wie wir lernen. Musiker produzieren während ihrer Entwicklungsjahre oft derivative Werke. Bob Dylan’s erstes Album bestand z.B. aus 11 Cover Songs. Niemand startet originell. Wir müssen kopieren und nachahmen, um ein Fundament von Wissen zu bilden. Erst danach können wir ein Idee aufnehmen und mit ihr herumspielen, sie verwandeln.

Thomas Edison hat die Glühbirne nicht erfunden, sein erstes Patent war „Improvements in Electric Lamps“. Er hat jedoch die erste kommerzielle brauchbare Glühbirne geschaffen, nachdem er 6000 Varianten für das Filament durchprobiert hat. Johannes Gutenberg erfand die Druckerpresse 1440, aber all die Komponenten dazu gab es schon Jahrhunderte vorher. Henry Ford hat weder das Fliessband, auswechselbare Teil oder das Automobil erfunden, aber in 1908 hat er all das kombiniert, um das erste Auto für den Massenmarkt zu produzieren.

Das Problem mit ACTA ist, das Ideen darunter stärker geschützt wären. Das heisst, geschützte Ideen könnten nicht mehr wiederverwendet, verfeinert und weiterentwickelt werden. Wichtige Erfindungen und Fortschritte entstanden jedoch durch die Kombination verschiedener Ideen. Wie würde unsere Zukunft aussehen, wenn Ideen rigoros geschützt würden? Könnten die notwendigen technischen und wissenschaftlichen Durchbrüche und Fortschritte erzielt werden, die wir als Gesellschaft benötigen, um unsere komplexen Probleme zu lösen?

„Everything is a Remix” Teil 1: Der Song bleibt gleich

Kirby Ferguson ist ein amerikanischer Filmemacher, er hat sich in der vierteiligen Videoserie „Everything is a remix“ intensiv mit dem kopieren und neumischen von Inhalten auseinander gesetzt. Diese Thematik ist gerade heute in den andauernden Diskussionen über Urheberrechte und geistiges Eigentum sehr aktuell. Die Serie will zeigen, dass in vielen Industrien, vor allem auch in den Kulturindustrien, wie der Musik- und Filmbranche oft Inhalte übernommen oder neu gemischt werden.

Dies ist keineswegs ein neues Phänomen, bereits vor Jahrzehnten wurde in der Musik geremixt. Man nehme das Beispiel Hiphop, viele Musiktitel werden neu gemischt und ergeben so ein neues Lied. Eine andere Methode ist dieselbe Basslinie zu verwenden, wie dies im Video anhand einiger Musiktitel anschaulich gezeigt wird. Eine bekannte Basslinie der Sugerhill Gang ist aus einem früheren Song von Chic übernommen. Dieselbe Basslinie wurde später noch für viele weitere Musiktitel verwendet.

Doch nicht nur im HipHop wird gemischt und neu zusammengestellt, auch in der Rockmusik. So zum Beispiel auch Led Zeppelin die Melodie ihres Welthits Stairway to Heaven wurde bereits einige Jahre zuvor von der Band Taurus veröffentlicht. Doch nicht nur Led Zeppelin haben kopiert, einige Beats von Led Zeppelin wurden später für weitere Musiktitel neu abgemischt, diese Beats findet man zum Beispiel bei Aerosmith, den Beastie Boys und Eminem.

Die Argumentation in dieser Videoserie basiert darauf, dass nur durch bestehendes Wissen eigene Ideen entstehen können. Diese neuen Produkte sind dann nicht wirklich neu, sondern nur eine Transformation von bereits bestehenden Ideen, deshalb auch der Titel der Serie: Alles ist ein Remix. Unter dieser Voraussetzung ist klar, dass gerade auch durch das Internet, die heutigen Eigentums- und Urheberrechtsgesetze nicht mehr durchsetzbar sind.

Weitere interessante Aspekte zu dieser Videoserie findet ihr bald in diesem Blog. In der zwischen Zeit hier ein ebenfalls sehr interessanter Artikel zu „Everything is a remix“.