Künstler zwischen Contentmafia und Piraten

Sascha Lobo schreibt in seiner Kolumne für den Spiegel  über ein grundlegendes Problem, welches den Künstlern anhaftet: Nur erfolgreich sind diese gesellschaftlich geachtet – für die brotlosen hat man bestenfalls Verachtung übrig. Viele von uns werden sich an den Einwand der Eltern erinnern, wenn es bei der Berufswahl darum ging, nur ansatzweise etwas in Richtung Kunst zu machen: „lern öppis gschiids, bueb!“ hiess es dann. Und so machten wir uns drauf, Informationswissenschaftler zu werden. Zurück zum Thema: Gesellschaftlich gesehen ist das doch ein wenig Paradox. Denn wurde uns nicht auch eingebläut, wie wichtig und wertvoll Kultur doch eigentlich ist? Die vermeindliche Rettung kam den Künstlern dann  in Form der Unterhaltungsindustrie. Die Kulturschaffenden wurden unter die Fittiche von Grossunternehmen genommen und mussten sich fortan nicht mehr mit der Vermaktung und dem Vertrieb ihrer Kunst konzentrieren. Endlich konnten sie sich auf das Wesentliche besinnen und dabei wurde der eine oder andere gar reich! Die Kapitalisierung der Kultur führte dazu, dass manche, zugegebenermassen fanatischen Fans, alles für ihre Idole tun würden. Gut, das gab es auch schon in Zeiten von Goethes Werther, jedoch gibt es heute doch weitaus mehr Künslter die gesellschaftlich einen sehr hohen Status geniessen und dazugehörige Fans die sich aufgrund einer unerfüllten Liebe eine Brücke hinabstürzen. Mit dem Erfolg kamen die Drogen und mit den Drogen die illegalen Downloads und plötzlich gab es nur noch zwei Gruppen von Kulturschaffenden: Jene Minderheit die sich erfolgreich in der Medienindustrie prosituiert hat und der andere Grossteil der nach den sporadischen künstlerischen Darbietungen sein brotloses Dasein fristet. „Vor 10 Jahren noch hätten wir Jahr für Jahr rund 200’000 Franken mit Album-Verkäufen eigenommen“, sagt Andreas Ryser vom Berner Electro-Pop-Duo Filewile in der NZZ am Sonntag vom 11.03.2012. „Aber das ist vorbei. Von der Musik allein zu leben, ist fast unmöglich“. Zwar sieht auch Andreas die Vorzüge von YouTube und co., nämlich dass die Werke von kleinen, unabhängigen Künstlern sehr schnell bekannt werden können, allerdings werden damit keine Platten verkauft. Erhältlichkeit alleine generieren eben noch keine Verkäufe. Trotzdem gibt es nach wie vor mutige Künstler die sich diesem gnadenlosen Alles-oder-Nichts-Prinzip stellen und der Schweizer Markt  für Musik wächst stetig, entgegen aller Weltuntergangsstimmung. Aber auch der Verein für Musikschaffende in der Schweiz beklagt sich: „Wir haben den Eindruck, dass unsere Arbeit als wertlos angesehen wird“ und wiederholt damit nochmal den oben beschrieben Gedanken von Herrn Lobo. Ja, lieber Verein für die Musikschaffenden der Schweiz, schön habt ihr es auch noch „erlickt“ und nun könnt ihr euch im Selbstmitleid suhlen bis ihr Wund werdet, denn so schnell wird sich am System nichts ändern. Erst mit dem Major Label im Rücken hat man die Chance wirklich bekannt und reich zu werden – mit dem Nachteil, dass man (fast) sämtliche Rechte an den geschaffenen Werken los wird oder man verkauft seine CD’s selbst und behält seine Unabhängikeit mit dem Nachteil, dass man kaum wahrgenommen wird. Beim Eigenverkauf einer CD von 20 Fr. erhält man immerhin ganze 17.50 Fr. nur 2.50 entfallen für Steuern und CD-Herstellung. Bei einem Plattenvertrag sind es dann gerade mal noch 2-4 Fr. und bei Itunes 1.60 Fr die effektiv in die Tasche der Künstler wandern (Informationen von der NZZ am Sonntag, 11.03.2012, S. 25 entnommen). Oder um es in den Worten von  Ryan Adams auszudrücken: „Jemand macht Geld mit deinen Platten. Aber nicht du.“

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