Mega Firma, mega Klage (Teil II)

Im ersten Teil von Mega Firma, mega Klage, wurde erläutert welche Rolle One-Click-Hoster wie Rapidshare und Megaupload im Internet spielen bzw. spielten. Nun stellt sich aber immernoch die Frage, warum Kim Dotcom für Megaupload den Kopf hinhalten musste, die gutbürgerliche Alexandra Zwingli von Rapidshare aber bisher verschont wurde.  Der Verdacht liegt nahe, dass Alexandra Zwingli und Rapidshare seriöser auftreten und ihre Hausaufgaben besser gemacht haben, wohingegen  der skandalbegleitete und risikoreiche Werdegang von Kim Dotcom automatisch mehr Angriffsfläche für die Contentindustrie bietet. Dabei hat sich Kim wirklich ins Zeug gelegt bei der ganzen Megaupload-Geschichte unbekannt zu bleiben. Er bot dem Szeneportal gulli.com quasi ein Schweigegeld an, damit diese den Inhaber von Megaupload nicht offenlegen. Auch beim Kauf der angeblich teuersten Immobilie  Neuseelands rätselten die Neuseeländer lange wer der neue Besitzer der Luxusvilla Chrisco Mansion ist. In einem offenen Brief wendet sich diese an die neuseeländische Nachbarschaft:

Fifteen years ago I was a hacker and 10 years ago I was convicted for insider trading. Hardly the kind of crimes you need to start a witch hunt for. Since then I have been a good boy, my criminal records have been cleared, and I created a successful Internet company that employs 100+ people.

All the media has to report are old news. Why? Because I have chosen to avoid the media. Just look what the media did to this Neighborhood. Scary.

Now you can make a choice: 1: Call Interpol, the CIA, and the Queen of England and try to get me on the next plane out of New Zealand. 2: Sit back, relax and give me a chance to do good for New Zealand and possibly the Neighborhood.

If you feel like it come over for coffee sometimes. And don’t forget to bring the cocaine (joke).

All the best, Kim.

Kim wäre aber nicht Kim, wenn er irgendwann seinem Drang nach Selbstdarstellung nachgeben würde, denn bei Kim ist alles Mega, seine Firma sein Taillenumfang, sein Haus und in letzter Konsequenz auch das mega Polizeiaufgebot. Dem vorausgegangen war aber der eigentliche Fehler des Megaupload-Gründers Kim Schmitz. Plötzlich war dieser im Mega Song (ja, der Titel heisst tatsächlich so) mit einigen sehr grossen und bekannten Künstlern der US-Musikbranche zu sehen. Das Ganze wirkt aber so inszeniert und werbend, dass man sich fragt, warum sich die Künstler für einen Dienst instrumentalisieren lassen, den die Musikbranche als Ausgeburt der Hölle betrachtet.  Nun, Kim Schmitz war drauf und dran die Musikbranche bis ins tiefste Mark zu erschüttern. Mit dem Service Megabox sollen die User des Dienstes über eine Flatrate alle Musikstücke derer Künstler gratis downloaden können, die einen Vertrag mit Megabox abgeschlossen haben. Kim Dotcom äusserte sich dazu folgendermassen:

UMG [Universal Music Group] knows that we are going to compete with them via our own music venture called Megabox.com, a site that will soon allow artists to sell their creations directly to consumers while allowing artists to keep 90 percent of earnings,

We have a solution called the Megakey that will allow artists to earn income from users who download music for free, yes that’s right, we will pay artists even for free downloads.  The Megakey business model has been tested with over a million users and it works.

In der „Nahrungskette“ wären damit die Musikbranche und Verwertungsgesellschaften einfach vergessen gegangen, denn mit Megabox stünde zwischen dem Künstler und seinen Verkäufen nur eine Gebühr von 10%. Möglicherweise war es genau dieses Geschäftsmodell welches die Contentindustrie so gefürchtet hat, dass sie das FBI und Interpol auf den Plan gerufen hat. Zwischen zeitlich durfte Kim wieder zurück in seine Villa, wo er auf seine mögliche Auflieferung in die USA wartet.

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