Mega Firma, mega Klage (Teil I)

Es ist eine Szene wie aus einem Kinofilm: Der millionenschwere Kim Schmitz auch bekannt als Kim Dotcom oder Kim Vestor wird am 19. Januar dieses Jahres aus seiner Villa in Neuseeland von einer Anti-Terror-Einheit abgeführt. Der Besitzer des ehemaligen One-Click-Hosters Megaupload war schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. In den 90er Jahren war er in der Mailbox-Szene aktiv und vertrieb durch seine „Mailbox“ urheberechtlich geschützte Inhalte. In der WDR-Sendung Monitor, demonstrierte er, wie man ein Telefon hackt, um kostenlose Telefonate führen zu können. Seinem Hacker-Talent und den Insiderinformationen  hat er es dann auch zu verdanken, dass er dem Gefängnis entkam – er arbeitete fortan als Sicherheitsexperte für die Saatsanwaltschaft. Jahre später gründete er die Firma DataProtect, die er gewinnbringend an den TÜV Rheinland verkauft. Den korpulenten Mann scheint zeitlebens ein Geltungsdrang zu verfolgen. Jung reichgeworden, feiert er pausenlos, lässt sich mit Prominenten ablichten und reist mit Jacht und Privatjet durch die Welt –  und merkt bald, dass ihm das Geld ausgeht. Hochverschuldet taucht er irgendwo in Asien unter, um einer weiteren Verurteilung zu entgehen. In Hong Kong baut er sich mit Megaupload eine neue Existenz auf. Das Geschäftsmodell ist simpel wie genial: Grosse Datenmengen welche in keinen E-Mailanhang passen, können gegen Bezahlung eines Jahresabonnements bei Megaupload mit einem Klick  hochgeladen und mit einem Link an beliebig viele Nutzer verteilt werden.

Bild: fernand0

Damit schliessen One-Click-Hoster die Lücke nach dem Bedürfnis jederzeit auf Daten zugreifen und diese versenden zu können. Simpel, genial – illegal? Denn wo Daten hochgeladen werden gibt es auch Urheber deren Rechte gewahrt und nicht wie im Beispiel Megaupload und zahllosen anderen One-Click-Hoster mit Füssen getreten werden sollen. One-Click-Hoster beteuern in solchen Fällen ihre besten Absichten, schliesslich sind sie nur Betreiber der Plattform und es sei nur schwierig allen Urheberechtsverletzungen Herr werden können. Das stimmt in der Tat – eine technische Umsetzung ist schwierig, nur nehmen es die einen mit der Löschung und Verbreitung ein wenig genauer als andere Hoster. So wurde Megaupload beschuldigt Gelder für den Upload von Kinoblockbustern zu zahlen und einige Inhalte wurden absichtlich nicht entfernt. Solche File-Hoster oder One-Click-Hoster schossen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden und erwirtschaften den Grossteil ihres Gewinns nicht durch die vordergründige Kernkompetenz eines Cloud-Dienstes, sondern durch die Möglichkeit der illegalen Verbreitung bzw. des Bezugs urheberrechtlich geschützter Inhalte. Megaupload und Co. sind damit neben den altbekannten Peer-to-Peer-Netzwerken zum neuen Feind der Content-Industrie erklärt worden.

Der weltweit grösste File-Hoster heisst Rapidshare und ist eine, man glaubt es kaum, in der Schweiz ansässige Firma. 2007 musste sie sich dem Vorwurf der GEMA stellen, Werken des GEMA-Repertoires rechtswidrig  zum eigenen Vorteil zu nutzen. Zahlreiche weitere Klagen u.a.  durch die GEMA und dem Erotikmagazin Perfect 10 folgten. Die Landesgerichte Hamburg, Düsseldorf und Köln sind sich in dem Punkt einig, dass Rapidshare offensichtlich illegale Inhalte hostet, der Nachweis  sei aber sehr schwierig und der Aufwand diese Inhalte zu 100% zu unterbinden unzumutbar. Und so erfreut sich die Aktiengesellschaft Rapidshare noch heute bester Gesundheit. Man hat zwar intern eine ganze Abteilung die sich mit der Löschung illegaler Inhalte beschäftigt, im gleichen Zug werden diese dann aber wieder durch die Nutzer hochgeladen. Da hilft dann (zum Glück) auch der selbstentwickelte „Rapidshare-Crawler“ nicht weiter. Ich stelle mir gerade vor wie diese Abteilung sich selbst Fragen zur eigenen Existenzberechtigung und der Sinnlosigkeit ihrer Arbeit  stellt muss – denn weder Rapidshare noch ihre Nutzer haben ein echtes Interesse daran urheberechtliche Verstösse zu unterbinden. Viel wichtiger sind da die Rapidshare-Lobbyisten die das angekratzte Image in Washington verbessern möchten.

Gerade die Nutzer, welche nur “leechen“ also herunterladen, handeln trotz Urheberechtsverletzung absolut legal, denn für den Privatgebrauch ist das nach schweizerischem Urhebergesetz zulässig. Während bei Peer-To-Peer-Netzwerken der Nutzer zum Verteiler solcher Inhalte werden muss, und sich damit straffällig macht, kann man sich bei Filehostern auf den Konsum beschränken. Weiterhin liegen die Daten nicht auf den heimischen Rechner sondern, auf Servern mit Hochleistungs-Breitbandanschlüssen. Damit ist der Download komfortabel, schnell und rechtlich unproblematisch. Genau dieser Umstand ist es, der Filehoster so populär gemacht hat und berechtigterweise Vorstösse wie SOPA und ACTA forciert hat.

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