„Everything is a Remix“ Teil 3: Die Elemente der Kreativität

Blogeintrag zu Teil 1

Woher kommen Ideen? Wie sind die bedeutendsten Erfindungen der Welt überhaupt entstanden? Hatten die Erfinder einen „göttlichen“ Einfall? Oder beruhen alle Ideen irgendwo auf anderen? Diesen und anderen Fragen wird in der vierteiligen Videoserie „Everything is a Remix“ nachgegangen. Teil 3 handelt von den Elementen der Kreativität:

  • Kopieren
  • Verwandeln
  • Kombinieren

Kirby Ferguson argumentiert, kopieren und nachahmen sei wie wir lernen. Musiker produzieren während ihrer Entwicklungsjahre oft derivative Werke. Bob Dylan’s erstes Album bestand z.B. aus 11 Cover Songs. Niemand startet originell. Wir müssen kopieren und nachahmen, um ein Fundament von Wissen zu bilden. Erst danach können wir ein Idee aufnehmen und mit ihr herumspielen, sie verwandeln.

Thomas Edison hat die Glühbirne nicht erfunden, sein erstes Patent war „Improvements in Electric Lamps“. Er hat jedoch die erste kommerzielle brauchbare Glühbirne geschaffen, nachdem er 6000 Varianten für das Filament durchprobiert hat. Johannes Gutenberg erfand die Druckerpresse 1440, aber all die Komponenten dazu gab es schon Jahrhunderte vorher. Henry Ford hat weder das Fliessband, auswechselbare Teil oder das Automobil erfunden, aber in 1908 hat er all das kombiniert, um das erste Auto für den Massenmarkt zu produzieren.

Das Problem mit ACTA ist, das Ideen darunter stärker geschützt wären. Das heisst, geschützte Ideen könnten nicht mehr wiederverwendet, verfeinert und weiterentwickelt werden. Wichtige Erfindungen und Fortschritte entstanden jedoch durch die Kombination verschiedener Ideen. Wie würde unsere Zukunft aussehen, wenn Ideen rigoros geschützt würden? Könnten die notwendigen technischen und wissenschaftlichen Durchbrüche und Fortschritte erzielt werden, die wir als Gesellschaft benötigen, um unsere komplexen Probleme zu lösen?

Advertisements

„Everything is a Remix” Teil 1: Der Song bleibt gleich

Kirby Ferguson ist ein amerikanischer Filmemacher, er hat sich in der vierteiligen Videoserie „Everything is a remix“ intensiv mit dem kopieren und neumischen von Inhalten auseinander gesetzt. Diese Thematik ist gerade heute in den andauernden Diskussionen über Urheberrechte und geistiges Eigentum sehr aktuell. Die Serie will zeigen, dass in vielen Industrien, vor allem auch in den Kulturindustrien, wie der Musik- und Filmbranche oft Inhalte übernommen oder neu gemischt werden.

Dies ist keineswegs ein neues Phänomen, bereits vor Jahrzehnten wurde in der Musik geremixt. Man nehme das Beispiel Hiphop, viele Musiktitel werden neu gemischt und ergeben so ein neues Lied. Eine andere Methode ist dieselbe Basslinie zu verwenden, wie dies im Video anhand einiger Musiktitel anschaulich gezeigt wird. Eine bekannte Basslinie der Sugerhill Gang ist aus einem früheren Song von Chic übernommen. Dieselbe Basslinie wurde später noch für viele weitere Musiktitel verwendet.

Doch nicht nur im HipHop wird gemischt und neu zusammengestellt, auch in der Rockmusik. So zum Beispiel auch Led Zeppelin die Melodie ihres Welthits Stairway to Heaven wurde bereits einige Jahre zuvor von der Band Taurus veröffentlicht. Doch nicht nur Led Zeppelin haben kopiert, einige Beats von Led Zeppelin wurden später für weitere Musiktitel neu abgemischt, diese Beats findet man zum Beispiel bei Aerosmith, den Beastie Boys und Eminem.

Die Argumentation in dieser Videoserie basiert darauf, dass nur durch bestehendes Wissen eigene Ideen entstehen können. Diese neuen Produkte sind dann nicht wirklich neu, sondern nur eine Transformation von bereits bestehenden Ideen, deshalb auch der Titel der Serie: Alles ist ein Remix. Unter dieser Voraussetzung ist klar, dass gerade auch durch das Internet, die heutigen Eigentums- und Urheberrechtsgesetze nicht mehr durchsetzbar sind.

Weitere interessante Aspekte zu dieser Videoserie findet ihr bald in diesem Blog. In der zwischen Zeit hier ein ebenfalls sehr interessanter Artikel zu „Everything is a remix“.

Das Schweigen der Medien

Bei meinen Recherchen zum Thema SOPA bin ich auf einen sehr interessanten Blogeintrag auf avatter.de gestossen. Obwohl der Artikel bereits ein wenig älter ist, ist die Thematik von Medien und Zensur doch sehr interessant, dies auch im Bezug auf die Angst der Gegner von SOPA, PIPA und ACTA.

US-Foren und andere soziale Netzwerke waren seit Eingabe des Gesetzesentwurfs SOPA Ende Oktober 2011 voll mit Informationen und Artikel über SOPA. Heftig waren teils auch die Diskussionen wenn diese sich um dieses brisante Thema drehten. Die Internetgemeinde erhielt durch grosse Internetunternehmen Unterstützung gegen die Unterhaltungsindustrie. Bei einem Thema welches die Gemüter so heftig bewegt, geht man automatisch auch davon aus, dass man in den klassischen Medien ebenfalls zahlreiche Artikel sowie TV-Beiträge zu dieser Thematik findet. Wer so dachte wie ich wird leider enttäuscht, so wurde von Oktober bis Anfang Januar 2012 in praktisch keiner Abendsendung der grossen US-TV-Sender über SOPA berichtet. Hier findet man diese Studie von Mediamatters welche das ans Licht gebracht hat, die Daten zur Studie hat man über die Lexis-Nexis-Datenbank bezogen.

Wer jetzt der Meinung ist, dass sowieso nur das Internet Meinung macht muss man leider enttäuschen. Viele Menschen beziehen Ihre Informationen immer noch über die klassischen Medien und beachten die Berichterstattung im Internet nur wenig. Unter dieser Voraussetzung ist es doch sehr bedenklich, dass die US-Medien Informationen zurück halten und so eine offene Diskussion aller Bürger vermeiden. Nicht weiter verwunderlich ist somit, dass viele US-Medienhäuser offizielle Unterstützer von SOPA sind, ABC und CBS sind als Unterstützer von SOPA gelistet, das gleiche gilt für die Eigentümerinnen von MSNBC, NBC News, Fox News und CNN.

SOPA vs. ACTA: Wieso ACTA gefährlicher ist

Bild: Johanna Bocher

Connor Adams Sheets von der International Business Times schreibt dazu:

Der Anwendungsbereich:

SOPA ist ein Gesetz des US Kongresses. Es hätte zwar weltweite Auswirkungen haben können, weil es der US Justiz mehr Mittel im Kampf gegen ausländische Webseiten, die Urheberrechtsverletzungen begehen, gegeben hätte.

ACTA hingegen ist ein weltweites Handelskommen, dass ein internationalen rechtlichen Rahmen zur Bekämpfung von Fälschungen, Piraterie und anderen Verbrechen schaffen würde. Es wird befürchtet, dass bei Annahme von ACTA nicht mehr die individuellen Gesetze der Länder zur rechtlichen Beurteilung verwendet würden. Durch ACTA könnte weltweit mittels einer koordinierten Behörde hart gegen Internetaktivitäten durchgegriffen werden.

Transparenz:

Die Diskussionen zu SOPA fanden zwar weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, aber weil sie in den Hallen des US Kongress stattfanden, konnten Internet Aktivisten das Vorgehen beobachten und Entwürfe des Gesetzesentwurfs studieren.

ACTA wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt. Hätte Wikileaks nicht Dokumente veröffentlicht mit Details der Verhandlungen und Entwürfen des Abkommens, die Welt wüsste bis heute sehr wenig, was das Handelsabkommen alles beinhaltet. Das sorgt für grosse Beunruhigung bei den Internetnutzern, die sichergehen möchten, dass dieses Abkommen nicht Rechte wie z.B. die Privatspähre der Benutzer verletzt oder den Status des Webs als Ort für freien Informationsfluss beinträchtigt.

Leichtigkeit der Annahme:

Die Abstimmung über SOPA wurde verschoben, weil die Zustimmung beider Häuser des amerikanischen Kongresses sowie Barack Obama für die Annahme nötig gewesen wären. Einmal genehmigt hätte es durch zukünftige Kongresse geändert und angepasst werden können.

ACTA wurde bereits andererseits durch die Vereinigten Staaten am 11. Oktober 2011 unterzeichnet, und Obama musste dafür weder die Zustimmung des Kongresses noch des obersten Gerichts oder der amerikanischen Stimmbürger einholen. Da es ein Handelsabkommen ist, kann es nicht von einem Land überarbeitet oder aufgehoben werden. Das bedeutet, einmal angenommen kann es praktisch nicht mehr geändert werden.

Level der Abstützung:

Bevor SOPA gestoppt wurde, hatte das Gesetz nur 31 Co-Sponsoren im Kongress, was heisst, dass es nie sehr beliebt war. Trotz des Aufschreis, das SOPA das Internet, wie es jetzt wäre, stoppen würde und das der Kongress dem Gesetz zustimmen würde, war die Gefahr dafür nie wirklich gross.

ACTA, auf dem anderen Seite, ist ein internationaler Abkommen, was bedeutet, dass er nur Unterschriften benötigt, und nicht Stimmen dafür, welche mindestens teilweise auf die öffentliche Meinung beruhen würden. Und viele Regierungen haben den Vertrag bereits unterzeichnet.

Sichtbarkeit:

Die Kampagne gegen SOPA startete relativ früh in deren Entwicklung. Zum Zeitpunkt, als das Gesetz vor den Rechtsausschuss kam, hatten Gegner bereits gegenüber einem grossen Teil der Internetbenutzer lautstark ihren Unmut kundgetan.

ACTA war, obwohl offiziell seit fünf Jahren verhandelt wurde, lange Zeit nicht im Bewusstsein der Leute. Aber die Sichtbarkeit von ACTA steigt in Nationen, die das Abkommen noch nicht unterzeichnet haben. Am 11. Februar 2012 gingen Zehntausende von Leuten auf die Strasse, um gegen ACTA zu protestieren. Die europäische Kommission hat danach die Zustimmung ausgesetzt, um weitere Abklärungen zur Rechtmässigkeit des Abkommens durchzuführen.

SOPA und ACTA haben beide die gleiche Grundidee, nur ist ACTA noch viel umfassender und grösser als SOPA. Bei beiden war für mich die fehlende Transparenz/Kommunikation und die fehlende demokratische Abstützung störend. Es kann nicht sein, dass erst im Geheimen etwas verhandelt wird und dasselbe dann auch noch stillschweigend und ohne öffentliche Diskussion von unseren Regierungen angenommen wird.