„Protecting Content and Promoting Innovation in a Digital Age“: Jeder ist ein Pirat

Das Paley Center for Media beschäftigt sich mit der Überschneidung von Medien und Gesellschaft. Das Center führt Diskussionen über die kulturelle, kreative und soziale Bedeutung von Fernsehen, Radio und neuen Plattformen durch. Mitte Februar 2012 fand eine Diskussion zum Thema „Protecting Content and Promoting Innovation in a Digital Age“ statt.

An der Diskussion teilgenommen haben Richard Cotton, General Counsel von NBC Universal und Fred Wilson, Mitgründer von Union Square Ventures, einer Venture Capital Firma, welche viele Investments in Web 2.0-Firmen wie z.B. Twitter, Tumblr, Etsy, del.icio.us etc. hält.

Fred Wilson bringt das grundlegende Problem auf den Punkt:

We gotta fix the system so that the content is available legally on the internet in a way that it is available for people to consume it. As convenient as turning on your TV and watching HBO, that’s how convenient it has to be. The content industry has not made this content convenient to access on the internet and as a result everybody, and I mean everybody, is a pirate. Okay so in the world where everybody is breaking the law, you gotta look at the law. Is it the right law?

Eines der Probleme, die zu Online Piracy führen ist, dass die Content Industrie (Plattenfirmen, Filmstudios, Verlagshäuser etc.) das Internet verschlafen hat. Nicht jeder Content ist heute gleichzeitig weltweit legal auf dem Internet verfügbar. Das ist ein Problem, denn auf illegalem Wege ist alles einfach und schnell verfügbar. Es ist verständlich, dass Verträge mit Anbietern auf Landesgrenzen Rücksicht nehmen müssen. Aber es scheint, als würden sowohl der Wille als auch die Ideen fehlen, sich dem digitalen Zeitalter anzupassen. Die Konsumenten sind zur Zeit des globalen Internets nicht mehr geduldig, sie möchten jetzt ihre Inhalte konsumieren und nicht erst in drei Monaten oder einem Jahr, wenn er in ihrem Land veröffentlicht wird. Die Content Industrie ist nicht innovativ genug, um von dem Teil der Bevölkerung, die bereit wären, für Inhalte zu zahlen, zu profitieren. Stattdessen kriminalisiert sie lieber einen Grossteil der Bevölkerung. Wie schwierig wäre es z.B. alle Songs im iTunes Music Store weltweit verfügbar zu machen? So müsste ich als Konsument nicht immer schauen, ob ein Album im Schweizer Store verfügbar ist, sondern könnte mich darauf verlassen, dass es da ist, wenn es veröffentlicht wurde.

Ein weiteres Problem ist, dass sich die Leute daran gewöhnt haben, Inhalte nicht legal zu beziehen. Fred Wilson schlägt darum vor, eine weisse und schwarze Liste zu entwickeln. Beim Anzeigen von Suchergebnissen einer Seite von der schwarzen Liste würde eine Meldung eingeblendet „Sie besuchen eine Seite auf unserer schwarzen Liste. Wir glauben, dass die Seite raubkopierte Inhalte enthält. Sie können diese Inhalte legal auf diesen Seiten von unserer weissen Liste beziehen“. So könnten die Leute langsam wieder umerzogen werden.

Es stellt sich schliesslich die Frage: müsste man das bestehende Gesetz anpassen oder gar ein digitales Urheberrecht schaffen? Denn wenn ein Grossteil der Bevölkerung in irgendeiner Form gegen ein Gesetz verstösst, besteht eindeutig Anpassungsbedarf.

Die ganze, rund 40 min. Diskussion findet man hier.

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