Netzaktivismus – über Anonymous und andere Kindsköpfe

Die Debatte um ACTA ist hierzulande im vollem Gange. Während dem in den letzten Wochen zahlreiche Bürger auf die Strasse gingen um friedlich gegen das Abkommen zu protestieren, mögen es andere radikaler. Kleinere Fische wie etwa der YouTuber Athene nutzen ihren Bekanntheitsgrad, um ihr Publikum dazu aufzurufen die Twitter-Accounts der Senatoren, welche SOPA unterstützen, mit mehr oder minder sinnvollen Kommentaren zu bombardieren. Zahlreiche betroffene Senatoren meldeten daraufhin, dass sie nicht mehr hinter dem Gesetzesentwurf stehen. Einen Auszug davon befindet sich hier.

Der CDU-Abgeordnete Angsar Heveling hat dann wohl auch nicht damit gerechnet, dass er mit seinem Kommentar zu SOPA im Handelsblatt so viele Internetuser erzürnt. Die Netzgemeinde reagierte prompt, als der Politiker, welcher in  der Bundestags-Kommission „Internet & Digitale Gesellschaft“ tätig ist, folgendes geschrieben hat:

„[…] liebe „Netzgemeinde“: Ihr werdet den Kampf verlieren. Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers, es ist die Perspektive eines geschichtsbewussten Politikers. Auch die digitale Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird.“

Seine Internetseite wurde sogleich gehackt, woraufhin sich plötzlich verschiedene Kommentare auf seiner Seite befanden die so gar nicht mit Meinung des Politikers zusammenfallen. Das Hacken dürfte allerdings auch nicht sonderlich schwierig gewesen sein: Der Benutzername war demnach sein Vorname und das Passwort sein Nachname.

Auf einer anderen Ebene agiert das Hackerkollektiv Anonymous. Sony, welche SOPA finanziell unterstützt haben, wurde damit bedroht ein weiteres Mal gehackt zu werden. Der Angriff auf das Playstation Network hat in den vergangen Monaten einen Millionenschaden verursacht, was Sony dazu bewog, den Geldhahn für SOPA zuzudrehen, um weiteren Angriffen zu entkommen. Ausserdem bekennen sich Anonymous dazu, verschiedene Webseiten der polnischen Regierung angegriffen, manipuliert oder lahmgelegt zu haben. Selbiges gilt für das FBI, die US-Handelskommission und das US-Justizministerium.

In einer aktuell laufenden „Operation“ ruft das Hackerkollektiv die Netzgemeinde dazu auf, für einen ganzen Monat keine kostenpflichtigen Medien zu konsumieren, um so die Medienkonzerne zu boykottieren.

Manch einer wird sich nun fragen, was für Menschen wohl hinter diesen Aktionen stecken und viele werden vermutlich meine Meinung teilen und sagen, dass es sich hierbei um Jugendliche im Netz handeln muss. Und als solche, sind und waren wir übermütiger und eher dazu bereit kriminelle Energie an den Tag zu legen. Dabei ist diese Einstellung (sofern legal) durchaus lobenswert und es ist hochspannend mitanzusehen, was sich die Netzgemeinde als nächstes einfallen lässt um sich gegen die drohende Zensur durch die Medienkonzerne zur Wehr zu setzen. Dass sie sich hierbei unter Umständen auch selbst schaden sind sich die Aktivisten wohl nicht immer im Klaren. Dem FBI kann es wohl egal sein, ob ihre Internetseite vorübergehend Offline ist, wohingegen sich das Bild des zerstörerischen, affektiv handelnden und rücksichtslosen Internetuser immer mehr in den Köpfen der Bevölkerung einbrennt, was wiederum zur Folge haben kann, dass die SOPA- und ACTA-Gegner alle ungewollt in einen Topf geworfen werden.

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